Die Schrothkur

Hallo alle zusammen!

Mein Name ist Markus Schmidt und ich bin Biologe und Ernährungswissenschaftler. Ich wurde dazu eingeladen, euch von einer besonderen Methode des Heilfastens bzw. Abnehmens zu bereichten – der sogenannten Schrothkur. Eine Schrothkur kann Krankheiten vorbeugen und lindern, aber auch der Beginn einer nachhaltigen Gewichtsreduktion sein. Diese ist eine besondere Art den Körper zu entgiften, mit dem netten “Nebeneffekt” des Gewicht Abnehmens.

Die Schrothkur ist keine klassische Diät. Anders als bei den üblichen Abnahmeverfahren geht es dabei vor allem darum, den Körper zu entschlacken.

Schrothkur

Heutzutage stehen wir alle unter Stress, worunter oftmals auch unsere Ernährung leidet. Wir essen zu fett, zu viel oder zu wenig, zu unausgewogen und ungesund. Über einen kurzen Zeitraum kann ein gesunder Körper damit umgehen, auf Dauer verursacht unsere Fehlernährung allerdings ein Problem. Die falschen Ess- und Trinkgewohnheiten führen meist zu einem übersäuerten Organismus, woraufhin stoffwechselbedingte Krankheiten wie Bluthochdruck oder Übergewicht entstehen können. Deswegen entscheiden sich viele Menschen dazu, eine Schrothkur zu machen. Denn diese bringt den Stoffwechsel wieder in Gang und kann zugleich ein guter Anfang für ein gesünderes Leben sein.

Die Schrothkur weicht heute von ihrer Ursprungsform ab, denn das Prinzip wurde bereits vor ca. 200 Jahren entwickelt – und heute natürlich reformiert. Zuerst möchte ich euch von der Entstehung  der Schrothkur, und anschließend von der heutigen, veränderten Methode und dem Ernährungsplan berichten, bis hin zu den Vor- und Nachteilen des Naturheilverfahrens. Ich fange also an.

1. Wie entstand die Schrothkur und was war ihre ursprüngliche Form?

Die Schrothkur hat, wie viele glauben, nichts mit Schrot und Korn zu tun – die Diät basiert auf dem Namen des Erfinders Johann Schroth und ist eine besondere Form des Heilfastens. Er entwickelte dieses Naturheilverfahren bereits im 19. Jahrhundert, etwa im Jahre 1820, als er sich bei einem Unfall mit einem Kutschpferd das Knie verletzte. Er heilte sich mit kalten und warmen Umschlägen selbst. Aus dieser Erfahrung heraus sind seine Gesundheitslehren entstanden. Mit abwechselnden Trink- und Trockentagen regte er seine Selbstheilungskräfte an und half seinem Körper mittels einer möglichst leichten Diät beim Entschlacken und Regenerieren.

Die heutige Schrothkur (auch Schrothsche Kur genannt) weicht allerdings von der ursprünglichen Form des Erfinders ab, denn bei dieser sollte ein regelmäßiger Wechsel zwischen sogenannten „Trinktagen“ und „Trockentagen“ bestehen. An Trockentagen sollte weniger als ein halber Liter Flüssigkeit getrunken werden – noch dazu kein Wasser, sondern Weißwein! Heutzutage weiß man natürlich, dass dies für den Körper sehr gefährlich sein und schlimme Konsequenzen haben kann. An den Trinktagen wird zwar mehr Flüssigkeit getrunken – jedoch auch hauptsächlich trockener Weißwein und weniger Wasser oder andere Getränke. Die Ernährung im Rahmen der Schrothkur ist eiweißarm und salz- und fettlos. Reis-, Grieß- oder Haferbrei, gekochtes Obst und Gemüse und altbackene Brötchen oder Zwieback stehen hingegen am Tagesplan. Während der Kur ernährt man sich von nur 500 bis 600 Kalorien am Tag.

Apfelscheiben

2. Wie funktioniert die Schrothkur heute?

Viele Menschen nutzen das Naturheilverfahren der Schrothkur, um ihren Organismus wieder ins Gleichgewicht zu bringen und Zivilisationskrankheiten wie Gicht, Cholesterin- und Blutzuckerprobleme oder rheumatische und arthritische Beschwerden zu lindern.

Die vier wesentlichen Elemente der Schrothkur bilden:

  • die Schothsche Diät,
  • die Schrothschen Packungen,
  • der Wechsel von Trink- und Trockentagen und
  • das angemessene Verhältnis zwischen Ruhe und Bewegung.

Immer noch auf den 4 Elementen basierend, gibt es heute allerdings eine modifizierte Schrothkur, die auch der Schrothbund empfiehlt. Bei dieser Form der Schrothkur wird, anders als bei der ursprünglichen Variante, eine Mischkost nach Professor Heinrich Kasper empfohlen. Bei dieser reformierten Schrothkur wird zusätzlich eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr empfohlen. Die tägliche Kalorienmenge steigert sich, im Gegensatz zu der ursprünglichen Variante, bei der nur 500-600 Kalorien am Tag gegessen werden, von 500 auf 1500, um so den berüchtigten “Jojo-Effekt” vorzubeugen.

Gemüsepfanne

3. Wie ernährt man sich während der Schrothkur?

Wie oben bereits erwähnt basiert die Kost aus einer Kombination aus Grieß-, Reis- und Haferbrei, gekochtem Gemüse und Obst und trockenen Brötchen und – falls keine Gegenindikationen vorliegen und der Kurarzt es erlaubt – den klassischen Kurwein an maximal 4 Tagen (für Frauen bis zu 1/4 l am Tag, für Männer bis 1/2 l). Der Wein liefert viele Vitamine und Mineralstoffe und steigert somit den Umsatz von Körpersubstanz. Die Speisen dürfen weder Salz noch Fett und nur wenig Eiweiß enthalten. Kaffee und Zigaretten sind verboten. Frisches Obst ist während der Schrothkur ebenso nicht erlaubt.

Außerdem gehören feuchtwarme Wickel zur Schrothkur, die die Entschlackung unterstützen sollen. Diese können jedoch nur von erfahrenen Fachkräften angelegt werden, weswegen die Schrothkur (meistens) nur in Kliniken durchgeführt wird. Mit den wechselnden Trocken- und Trinktagen sowie den täglichen Schwitzkuren  wird überflüssiges Gewebewasser ausgeschieden. Kombiniert mit der Ruhe und Entspannung bekommt der Organismus die Chance, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Die Schrothkur sollte 21 Tage lang dauern, in denen dreimal hintereinander ein festgelegter Wochenplan wiederholt wird. Die letzten drei Tage sollen der Wiedergewöhnung an eine normale Ernährung dienen. Die Schrothkur ist nicht für die Daueranwendung gedacht – am Ende der Kur wird der Körper wieder an normale Kost gewöhnt.

3.1 Wie sieht der Wochenplan der Schrothkur aus?

Eine Woche der Schrothkur könnte beispielsweise wie folgt ablaufen:

  • Tag 1: Trockentag (Ruhetag)
  • Tag 2: Kleiner Trinktag (bis zu einem halben Liter Wein)
  • Tag 3: Trockentag
  • Tag 4: Großer Trinktag (bis zu einem Liter)
  • Tag 5: Trockentag
  • Tag 6: Kleiner Trinktag
  • Tag 7: Großer Trinktag

Trockentage:

Hier besteht das Mittagessen aus einer Pflaumensuppe, die die Verdauung anregen soll. Dazu soll man laut Schrothkur auf weitere Getränke verzichten. Zusätzlich darf man ein paar eingeweichte Trockenfrüchte essen.

Trinktage:

Gemüsesuppen (bevorzugt mit Kohl, Sellerie, Porree, Karotten, Kartoffeln oder Paprika) werden gegessen, genauso wie Suppen mit Reis, Graupen oder Haferschleim.

Schrothkur Grüne Wiese und blauer Himmel

4. Wie sieht ein normaler Tag in der Klinik aus, wenn man die Schrothkur macht?

Der Kurgast wird täglich in den frühen Morgenstunden (bis auf Sonntag) mit einem Glas Kräutertee geweckt. Anschlißend wird der noch schlafwarme Körper in die Wärmepackung nach Schroth gewickelt. Dabei steigt die Körpertemperatur weiterhin an und die körpereigene Abwehrkraft wird geweckt – und somit der Selbstheilungsprozess angekurbelt. Die Wärme wirkt schmerzlindernd und krampflösend. Außerdem wird der Hautstoffwechsel angeregt und Giftstoffe werden vermehrt über die Haut ausgeschieden.

Bei Bedarf kann das Ernährungsprogramm an die individuellen Bedürfnisse des Gastes anpasst werden. Somit kann der optimale gesundheitliche Erfolg erzielt werden.

  • Anstelle des Weins können Obst- und Gemüsesäfte verabreicht werden.
  • Diabetes Patienten bekommen kein Trockenobst und keine Fruchtsäfte.
  • Ältere Menschen nur kleine Mengen Magerquark.

Trockentage:

Hier kann man sich einfach entspannt zurücklehnen und den Körper für sich arbeiten lassen. Massagen, Meditation oder Spaziergänge bieten die Möglichkeit, die Seele zu entspannen.

Trinktage:

Hier kommt es auf fett reduzierende Bewegung an – dabei allerdings beachten, im optimalen Pulsbereich zu bleiben, um die Muskeln mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Denn wer sich auf Hochleistung trimmt, schadet sich nur.

Geeignete Sportarten während einer Schrothkur sind zum Beispiel:

  • Nordic Walking
  • Fahrradfahren
  • Wandern

4.1 Was passiert nach Beendigung der Kur?

Nach der Schrothkur beginnt wieder das normale Alltagsleben. Einrichtungen bieten allerdings eine begleitende Ernährungsberatung an, um dem Patienten dabei zu verhelfen, nicht in die alten Essgewohnheiten zu verfallen. Eine gesunde Ernährung auch nach der Schrothkur ermöglicht, dass weitere Pfunde purzeln oder man zumindest das erzielte Gewicht halten kann. Zusätzlich beugt sie  gesundheitliche Probleme vor.

Schrothkur

5. Wo kann man eine Schrothkur machen?

Schrothkuren werden in verschiedenen Kurorten angeboten. Ärzte und Krankenkassen beraten und empfehlen einem, welcher Kurort für die Schrothanwendung für einen am geeignetsten ist. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen ambulanten Vorsorgekuren und stationären Rehabilitations- und Vorsorgekuren.

  • Bei der ambulanten Kur kommen die Teilnehmer nur jeweils für die nötigen Anwendungen und Behandlungen in die Kur-Einrichtung. Diese kann beispielsweise im Rahmen eines Gesundheitsurlaubs in der Nähe der Urlaubsunterkunft erfolgen.
  • Bei der stationären bleibt der Patient allerdings während der ganzen Kur in der Klinik und wird Tag und Nacht betreut.

 

6. Muss man die Schrothkur selbst zahlen oder werden die Kosten (bzw. wie viel) von den Kassen übernommen?

Bei ambulanten Vorsorgeleistungen:

Die Kurarzt-Kosten werden zu 90 Prozent übernommen. Die übrigen 10 Prozent werden selbst getragen. Wie viel Geld dies im Endeffekt ist, sollte man sich am besten im Voraus ausrechnen lassen.

Bei stationären Vorsorge- oder Rehabilitationskuren:

Bei Genehmigung muss der Kurpatient pro Kurtag nur 10 Euro bezahlen. In manchen Fällen sind Ausnahmen möglich.

7. Wie oft kann eine Schrothkur beantragt werden?

Hierbei gibt es prinzipiell keine Einschränkungen, allerdings müssen zwischen zwei ambulanten Kuren mindestens drei Jahre liegen, bis die Kosten von den Krankenkassen erneut übernommen wird. Stationäre Wiederholungskuren werden meist nach Ablauf von vier Jahren bewilligt. Bestimmte gesundheitliche Probleme lassen aber natürlich Ausnahmen zu. In dem Fall erkundigt man sich am besten bei dem behandelnden Arzt. Mit einer sorgfältigen Begründung kann man auch schon früher eine Schrothkur mit Kassenunterstützung bekommen.

Wiese voller lila farbener Blüten

8. Was sind die Vorteile der Schrothkur?

  • Die Schrothkur beschleunigt den Stoffwechsel und stärkt das Immunsystem.
  • Ein angenehmer Nebeneffekt ist die Gewichtsreduktion, die bis zu zehn Prozent des Körpergewichts betragen kann. Wer während der Schrothkur zusätzlich Sport treibt, unterstützt diesen Prozess.
  • Der schnelle Gewichtsverlust motiviert den Schrothkurteilnehmer, auch nach Beendigung des Prozesses weiterhin gesünder zu essen und leben.
  • Menschen, die unter erhöhten Blutfettwerten leiden, können diese mit der Kur wieder senken. Grund dafür sind die fettfreie Ernährung und die positiven Wirkungen der Trinkkur.
  • Auch andere Blutwerte, wie zu hohe Zucker- und Harnsäurespiegel, lassen sich im Rahmen des “Schrothens” oft senken.
  • Diese Art der Fastenkur ist besonders gut für Patienten mit Diabetes Typ 2 und Neigung zu Gicht geeignet.
  • Die Schrothkur regt die Drüsenfunktionen an. Im Rahmen der Schwitz- und Trinkkur kommen auch die körpereigenen Drüsen wieder in Schwung. Wer zu wenig Schilddrüsenhormon produziert, bekommt aufgrund der Kur eine vermehrte Ausschüttung des Schilddrüsenhormons Thyroxin. Allgemeine Schwäche, Darmträgheit und sogar durch Thyroxinmangel verursachte Herzschwäche werden so auf natürliche Weise gemildert.
  • Das Risiko für Folgeerscheinungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Arterienverkalkung.
  • Durch die morgendlichen Schwitzkuren werden durch die Haut ebenso Schadstoffe ausgeschwemmt – der Körper wird förmlich von innen gereinigt. Raucher zum Beispiel, die sich gerade von ihrer schlechten Angewohnheit befreien konnten, scheiden dank der Schwitzkuren viel vom angesammelten Gift aus dem Körper aus.
  • Die Allergieneigung kann verringert werden, bei chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder Bronchien wird die Heilung unterstützt.
  • Die intensive Wärme während der Schrothpackung fördert zudem die Hautdurchblutung und wirkt sich positiv bei Hautkrankheiten wie Schuppenflechte oder Akne aus.
  • Die Schrothkur ist bei Burnouts und psychosomatischen Beschwerden besonders gut geeignet. Die Belastung durch Beruf und Familie kann bei jedem zu Erschöpfungszuständen, Migräne, Depressionen und psychosomatischen Erkrankungen führen, die mit dieser Kur wieder geheilt werden können.

8.1 Wer sollte eine Schrothkur machen bzw. bei welchen Beschwerden ist sie besonders effektiv?

Menschen mit erhöhten Blutfett- und Harnsäurewerten, Übergewicht, Migräne, Erschöpfungszuständen und anderen, sogenannten “Zivilisationskrankheiten” sollten eine Schrothkur machen. Die positiven Auswirkungen der Kur sind belegt und werden sogar von den Krankenkassen zu einem großen Teil (wie oben bereits beschrieben) übernommen.

Sollte man an Entzündungsprozessen leiden oder Unfälle oder Operationen hinter sich haben, sollte man lieber mit der Kur warten, da die unspezifischen Reize im Rahmen der Kur sonst negative statt positive Auswirkungen haben würden.

9. Was sind die Nachteile der Schrothkur?

  • Durch die geringe Nahrungsaufnahme bei der Schrothkur kann es zu Darmträgheit kommen.
  • Der Stuhlgang kann für einige Tage aussetzen. Wer sich dabei unwohl fühlt, sollte mit seinem Kurarzt sprechen.
  • Es empfiehlt sich eher nicht, eine Schrothkur in Eigenregie zu machen. Es ist besser diese in einer anerkannten Kureinrichtung zu machen. Hier sind ein fachlich geschultes Personal und gut ausgebildete Kurärzte als Ansprechpartner vor Ort, die das Ernährungsprogramm und die Gesundheit der Teilnehmer überwachen. Ebenso kann man sich mit allen Fragen zur Kur und zum persönlichen Befinden an diese wenden.

9.1 Wer sollte auf die Schrothkur verzichten?

Während der Schrothkur wird der Körper vielen Reizen ausgesetzt. Daher sollten Menschen, die an einer entzündlichen oder fiebrigen Erkrankung leiden, so lange auf eine Kur verzichten, bis sie die Erlaubnis von ihrem Arzt bekommen haben. “Schrothen” darf man erst, wenn Fieber und akute Entzündungen abgeklungen sind oder eine chronische Erkrankung ganz unter Kontrolle ist. In jedem Fall sollte man vor dem Beginn einer Schrothkur mit seinem Arzt sprechen, um die gesundheitlichen Voraussetzungen sowie Umstände abzuklären.

10. Mein Fazit zur Schrothkur.

Schrothkur Wellnesstee

Die klassischen Variante, wird sowohl von mir, als auch von anderen Medizinern und Ernährungswissenschaftlern abgelehnt, da besonders die geringe Flüssigkeitszufuhr sowie das Trinken von Alkohol zur Entwässerung, die Gesundheit stark gefährden können. Daher sollte die Schrothkur in ihrer ursprünglichen Form auf keinen Fall ausgeführt werden.

Die neue, modifizierte Form der Schrothkur ist allerdings zu empfehlen, da sie für eine Form des Fastens sehr ausgewogen ist und viele positive Auswirkungen auf den Körper haben kann. Hierbei sollte man allerdings, wie bereits erwähnt, eher auf das Wissen der Fachkräfte vertrauen und es nicht im Alleingang versuchen, da man bei Fehltritten dem Körper schaden kann.